Spieleverlag Gaiagames

Spielend die Welt verbessern

erschienen im Parents-Newsletter #29 (November 2023)

Gaiagames LogoWenige große Spielehersteller scheinen sich den Markt aufgeteilt zu haben. Doch es gibt auch kleinere Firmen, die sich spezialisiert haben. Gaiagames ist eine davon – sie entwickelt nachhaltige Spiele, die Spaß machen und gleichzeitig lehrreich sind. Jörg Weißenborn hat sich mit den Geschäftsführern Micha Reimer und Kevin Luhn unterhalten.

Frage: Der Spielemarkt ist unglaublich groß. Wie wollt Ihr Euch als kleine Firma da behaupten? Was ist das Besondere an Euren Spielen?

Micha: Wir haben uns mit der Gründung 2015 eine Nische im Spielemarkt gesucht: nachhaltige Gesellschaftsspiele, die umweltfreundlich hergestellt werden und ganz nebenbei Wissen vermitteln…

Team Gaia
Micha Reimer und Kevin Luhn

Kevin: …und das heißt nicht nur, ressourcenschonende Produktion durch kleine vollgepackte Spielekartons, sondern auch, dass bei allen unseren Spielen die Message und das kooperative Spielen im Vordergrund stehen. Ob man möglichst stabile Ökosysteme aufbaut, Beifang aus den vermüllten Meeren rettet oder einer Sammelhummel durch Summen den Weg zur richtigen Blüte zeigt: Teamwork ist gefragt, Spaß ist garantiert, Thema und Spielgefühl passen perfekt zusammen.

Wer uns unterstützen will, kann freiwillig etwas mehr zahlen, was erstaunlich viele tun. Da fällt mir kein Spieleverlag ein, der mit höheren Preisen statt Rabatten wirbt.Ecogon

Frage: Wie fing alles an und wer steht hinter Gaiagames?

Micha: Gaiagames entstand aus dem „Zwang“ heraus, das kooperative Ökosystem-Spiel „Ecogon“ nachhaltig produzieren zu lassen. Ich hatte die Idee zu dem Spiel während meines Studiums (Naturschutz und Landschaftsplanung). Damals gab es noch keine Verlage, die Gesellschaftsspiele nachhaltig haben produzieren lassen. Finanziert über eine Crowdfunding-Kampagne, kamen in den folgenden Jahren weitere Spiele hinzu, so auch 2019 das Kartenspiel „Fish ‘n‘ Flips“…Fish 'n' Flips

Kevin: Ja, das war mein erstes Spiel – es erinnert etwas an Candycrush oder Tetris als Kartenspiel. Ich habe Biologie studiert, dann eine Ausbildung zum Erlebnis- und
Spielpädagogen gemacht und neben Gaiagames koche ich auf Hochzeiten, gebe Kletterkurse und Seminare und übernehme mich anscheinend gern.

Micha: Wir betreiben den Verlag komplett gleichberechtigt und hierarchiearm. Wie Kevin schon sagte, haben wir weitere Tätigkeitsfelder, mit denen wir unser Einkommen bestreiten. Ich arbeite z. B. noch als Landschaftspfleger und Gärtner. Das ist ein Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Wir wollen nicht nur auf „einem Bein stehen“. So können wir auch mal Entscheidungen treffen, die nicht so wirtschaftlich sind, dafür aber nachhaltiger für die Umwelt.

Frage: Was genau möchtet Ihr mit Euren Spielen erreichen?

Kevin: Ergänzend zu dem eingangs Gesagten finde ich z. B. wichtig, dass alle unsere Spiele kooperativ sind – Spielende gewinnen oder verlieren gemeinsam gegen das Spiel. Die Spiele sollen die Teamfähigkeit und Sozialkompetenzen fördern, denn Konkurrenz gibt es in unserer Gesellschaft schon genug.

Zum anderen verstehen wir unsere Spiele als Einstieg und Zugang zu sonst teilweise komplexen Themen. Mit Spaß, Emotionen und intrinsischer Motivation lernen die Menschen einfach am besten. Am Ende einer Spielanleitung liefern wir zusätzlich Ideen, wie man etwas zur Verbesserung des präsentierten Themas beitragen kann.

Micha: Das Wissen über die Probleme unserer Welt ist schon lange da. Doch gerade, wenn es um Umweltthemen geht, bleibt es meist theoretisch. Erst wenn wir die Informationen mit Emotionen verknüpfen, bleiben diese hängen und regen idealerweise zum Handeln an. Bei unseren Spielen werden die Themen unterhaltsam sichtbar und vor allem erlebbar gemacht.

SummsalabimFrage: Eure Spiele sind üblicherweise ab acht Jahre und teilweise recht komplex. Beim Rudolstadt Festival sah ich Euch kürzlich voller Begeisterung „Summsalabim“ vorstellen, ein kooperatives Hummelspiel für die ganze Familie. Erweitert Ihr damit Eure Zielgruppe?

Micha: Von unseren Kund*innen erhalten wir oft das Feedback, dass sie unsere Spiele toll finden und gern in der Bildungslandschaft einsetzen wollen. Viele dieser Menschen arbeiten aber mit Kindern im Vorschulalter. Daher hatten wir Lust, ein Spiel für Jüngere herauszubringen, bei dem auch Erwachsene ihren Spaß haben. Ich denke, mit „Summsalabim“ haben wir genau das geschafft: ein Spiel mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen für jedes Alter und mit Lerneffekten auf vielen Ebenen (Kooperation, Geschicklichkeit, Lautbildung, Wissen über Hummeln
und sogar Pestizide).

Kevin: Und „Summsalabim“ ist unser erstes Spiel, das wir in Zusammenarbeit mit einer anderen Autorin – Karin Hetling – herausgebracht haben. Auch das war eine spannende neue Erfahrung für uns.

Frage: Was sind die „Renner“ und sind weitere Spiele in Planung?

Micha: Tatsächlich sind bisher all unsere Spiele ein Dauerrenner. Wir haben sehr hohe Standards und überlegen uns ganz genau, was wir für Spiele herausbringen. Wenn eine Spielidee nicht unseren Kriterien entspricht – selbst wenn es ein gutes und lustiges Spiel ist – reicht uns das nicht aus. Wir wollen zu 100 % hinter allen Ebenen eines Spiels stehen, das wir veröffentlichen. Aber zum Glück bietet die Natur genügend Inspiration für viele weitere tolle Gaia-Games.

Frage: In einigen Wochen ist Weihnachten. Wo kann man Eure Spiele kaufen?

Kevin: Wir vertreiben unsere Spiele selbst. Am besten ist es, die Spiele direkt bei uns unter https://gaiagames.de zu kaufen. Da bleibt einfach für unsere Arbeit am meisten hängen. Unsere Spiele gibt es mittlerweile auch deutschlandweit in einigen Museen, Spieleläden und Unverpackt-Läden, die alle auf unserer Internetseite aufgelistet sind.

Wir sind aber immer auch auf der Suche nach neuen Vertriebspartner*innen und freuen uns über jeden kleinen oder großen Laden, der Interesse an unserem Konzept und unseren Spielen hat.

NICHT AUF DIE GRÖSSE KOMMT ES AN

Als nachhaltiger Verlag versuchen wir, mit unseren Spielen so wenig Luft wie möglich zu verkaufen. Das heißt: kleine Spielboxen, viel Inhalt. Leider denken viele Kund*innen: große Box = mehr wert, auch wenn herkömmliche Spielschachteln oft völlig überdimensioniert für den Inhalt sind. Da muss ein Umdenken bei den Konsumenten stattfinden. Wie heißt es doch so schön: "Nicht auf die Größe kommt es an."

Fish 'n' FlipsFrage: Was spielt Ihr – natürlich außer Euren eigenen Spielen – sonst noch gern?

Kevin: Gerade ist mein Lieblingsspiel "Spirit Island". Das ist kooperativ und sehr komplex. Wir schlüpfen in die Rolle von Naturgeistern und müssen eine naturbelassene Insel vor Invasoren schützen, welche die Insel besiedeln wollen. Sehr erfrischendes Thema, denn leider wird bis heute in der Brettspielszene sehr unreflektiert und teilweise sogar verherrlichend mit Themen wie Kolonialisierung umgegangen.

Micha: Meine Spielinteressen sind ziemlich breit gefächert. Tatsächlich liebe ich deduktive Spiele wie "Werwölfe von Düsterwald", aber vor allem kooperative Spiele.
Dem gegenüber steht meine Leidenschaft für das Sammelkartenspiel "Magic: The Gathering", was mich überhaupt erst in die Spieleszene geholt hat.

Kontakt und Infos: https://gaiagames.de

Summsalabim