Tübingen

P4F Tübingen

Willkommen bei den Parents For Future Tübingen

Wir sind eine Gruppe von Eltern, Großeltern und anderen erwachsenen Menschen, die in Solidarität zur Fridays For Future Bewegung stehen. Unser Ziel ist es, die jungen Menschen in ihren Forderungen nach einer konsequenten Klima- und Umweltschutzpolitik zu unterstützen. Die Gruppe ist offen für ALLE erwachsenen Unterstützer*innen – ob sie nun selbst Kinder haben oder nicht.

Veranstaltungen

Am 28.01.2022 von 16 bis 18 Uhr veranstalten wir eine Mahnwache auf dem Holzmarkt mit Kundgebung von Fridays for Future Tübingen um 16 Uhr zur EU-Taxonomie und dem Thema "Energiegewinnung aus Atom und Erdgas soll nachhaltig sein?"

Alle sind herzlich eingeladen, dazu zu kommen, es gelten die Coronaregeln.

Termine

Treffen der Parents for Future Tübingen, alle zwei Wochen Montag um 20 Uhr im Videochat, bei Interesse einfach Mail an: tuebingen@parentsforfuture.de

Erreichbarkeit

Ihr erreicht uns per Email: tuebingen@parentsforfuture.de

Mahden

Der Link zur Onlinepetition:  https://weact.campact.de/petitions/kein-mahden-ii-offener-brief-an-die-gemeinderate-von-reutlingen-und-kirchentellinsfurt 

Der offene Brief mit Unterstützungslisten als pdf zum Ausdrucken befindet sich unter dem folgenden Text

 

Mahden II: Wir wollen keinen zweiten Coup erleben!

Mahnwache am Samstag auf dem Rathausplatz Kirchentellinsfurt und Unterschriftensammlung

Parents für Future Tübingen und Reutlingen, das Bürger Projekt Zukunft Tübingen, die Allianz Flächenschutz, das Umweltzentrum Tübingen e.V. und Attac Reutlingen Tübingen haben am Samstag, 15.2022 ihren offenen Brief im Industriegebiet Mahden vorgestellt. Das ursprünglich geplante Bürgerbegehren in Kirchentellinsfurt vorerst zurückgestellt, um den Gemeinderatsbeschluss am 27.1.2022 abzuwarten.

Für den offenen Brief, der für beide Kommunen einen Gemeinderatsbeschluss gegen Mahden II und eine baldige Infoveranstaltung fordert, werden am Samstagvormittag auf dem Kirchentellinsfurter Rathausplatz Unterschriften gesammelt. Gleichzeitig werben die Parents for Future um Interessierte, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen wollen.

Die Initiatoren der Aktivitäten gegen Mahden II stehen hinter einer dringend erforderlichen Verkehrswende. Wichtigste Aspekte sind für sie dabei soziale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit. „Die für alle notwendige Mobilität sollte keine weiteren Belastungen der Klimakrise und klimatischer Kipppunkte auslösen“, fordert Verena Ludewig. Gleichzeitig befinden wir uns derzeit bereits im größten Artensterben nach der Eiszeit. In dieser Biodiversitätskrise haben wir die Belastungsgrenze unseres Planeten bereits länger überschritten (vgl. dazu https://www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/landwende). „Entsprechend geht es bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen auch um einen sorgsamen Umgang mit unseren Flächen“, entgegnet Tanja Leinweber der aufgekommenen Kritik an den Aktivitäten gegen eine Batteriefabrik.

Jürgen Jebram ergänzt: „Es wird vielfach befürchtet, dass durch den Strukturwandel in der Automobilindustrie viele Menschen arbeitslos werden und Industrieflächen brachfallen. Daher sollten die neuen Antriebstechniken auf den zukünftig nicht mehr genutzten Industrieflächen und mit den dort derzeit noch Tätigen erfolgen - so wie dies der Mutterkonzern von Porsche, die Volkswagen AG, selbst mit seinem Motorenwerk in Salzgitter macht.“ Dort soll eine der sechs zukünftigen Gigafactories für die Batterieproduktion entstehen. „Ziel muss es sein, vorhandene Industrieflächen zu nutzen statt neue Werke auf der grünen Wiese zu errichten, so Jebram.

„Bei der Veranstaltung am Samstag hat Herr Bürgermeister Haug zugegeben, dass er nicht wisse, mit welchen Folgen und Genehmigungen bei der Porscheansiedlung zu rechnen ist, so Johann Kuttner von der Allianz Flächenschutz. So gäbe es bislang keine Auskunft, mit welchen ggf. gefährlichen Stoffen außer dem leicht entflammbaren Lithium und in welchen Mengen in der Batteriefabrik umgegangen wird. Es sei unklar, welche immissionschutzrechtlichen Genehmigungen dazu erforderlich sein werden, oder ob sogar eine Genehmigung nach Störfallverordnung erforderlich wird. Ebenso ist unklar ist, wie hoch der Strom- Wasser-, ggf. Kühlwasser- und Abwasserbedarf der geplanten Fabrik sein wird und ob dies mit der bisherigen Erschließung sichergestellt ist. „Dies sind jedoch Fragen, die bei einer Standortentscheidung mitgedacht werden müssen und die uns Bürgerinnen und Bürger interessieren, da sie auch uns direkt betreffen können“, so Kuttner. Die Bedeutung dieser Fragen könne man auch daran erkennen, dass im Moment fraglich ist, ob die Tesla-Ansiedlung in Grünheide tatsächlich machbar ist, da die Wasserversorgung der Umgebung und der Stadt Berlin durch die Tesla-Ansiedlung in Frage gestellt ist (vgl https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/klage-von-naturschutzv…). Daher dürfte dies auch im Interesse der Firmen selbst sein, dies vorab zu klären.

Deshalb fordern die Initiatoren die Mitglieder der Gemeinderäte von Reutlingen und Kirchentellinsfurt auf, sich für eine zügige Durchführung einer Informationsveranstaltung einzusetzen. Alle würden umfassende Informationen über die geplante Porscheansiedlung sowie die weiteren Entwicklungspläne benötigen: Insbesondere die Frage, wo Porsche zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2030 seine Hauptproduktion von Autobatterien plant. Unsere Fragen seien den Beteiligten bereits bekannt bzw. können wir gerne nochmals zur Verfügung stellen.  

Herr Oberbürgermeister Keck hat sich im schwäbischen Tagblatt am 18.12.2021 für einen „Coup“ bei der Porscheansiedlung feiern lassen (Definition „Coup“: gewagte und meist unerwartet durchgeführte, erfolgreiche Unternehmung). Da Ihnen auch bekannt sein dürfte, dass Porsche „sportlich“ unterwegs ist und dies bereits in Weissach unter Beweis gestellt hat, wurde durch dieses Vorgehen Vertrauen auf gute Vorgehensweisen leider verspielt und wir befürchten einen weiteren „Coup“. Dazu würde sich aus unserer Sicht (siehe auch dazu die Ausführungen in unserer PM zur Vorstellung unseres offenen Briefes) die Erweiterung der Batteriefabrik auf Mahden II durchaus anbieten, z.B. durch Parallelverfahren statt wie üblich nacheinander von FNP-Änderung, Aufstellung des Bebauungsplans, Baugenehmigung und immissionschutzrechtlicher Genehmigung. Daher sind bei uns alle Alarmglocken angegangen. Wir wollen keinen zweiten „Coup“ erleben!

Deshalb fordern wir Sie als Mitglieder der Gemeinderäte von Reutlingen und Kirchentellinsfurt auf, diese Sorgen mit Ihrem entsprechenden Beschluss zu zerstreuen. Denn wenn es tatsächlich so sein sollte, dass Porsche seine Batterieproduktion nicht im Mahden errichtet, stünde dem Beschluss nichts im Wege. Vertreter des Kirchentellinsfurter Gemeinderats haben sich hierzu bereits bei der Veranstaltung am Samstag entsprechend geäußert. Denn eine so große Ansiedlung von Porsche hätte ungleich größere Folgen für Altenburg und Kirchentellinsfurt - wie sie im Einzelnen unserer Pressemitteilung entnehmen können.

Herr Oberbürgermeister Keck hat sich im schwäbischen Tagblatt am 18.12.2021 für einen „Coup“ bei der Porscheansiedlung feiern lassen (Definition „Coup“: gewagte und meist unerwartet durchgeführte, erfolgreiche Unternehmung). Da bekannt sein dürfte, dass Porsche „sportlich“ unterwegs ist und dies bereits in Weissach unter Beweis gestellt hat, wurde durch dieses Vorgehen Vertrauen auf gute Vorgehensweisen leider verspielt und die Initiatoren befürchten einen weiteren „Coup“. Dazu würde sich aus ihrer unserer Sicht die Erweiterung der Batteriefabrik auf Mahden II anbieten, z.B. durch ein Parallelverfahren statt wie üblich nacheinander von Flächennutzungsplanänderung, Aufstellung des Bebauungsplans, Baugenehmigung und immissionschutzrechtlicher Genehmigung. Daher sind bei ihnen alle Alarmglocken angegangen. Sie wollen keinen zweiten „Coup“ erleben!

Deshalb fordern Sie die Mitglieder der Gemeinderäte von Reutlingen und Kirchentellinsfurt auf, diese Sorgen mit einem entsprechenden Beschluss zu zerstreuen. Denn wenn es tatsächlich so sein sollte, dass Porsche seine Batterieproduktion nicht im Mahden errichtet, stünde dem Beschluss nichts im Wege. Vertreter des Kirchentellinsfurter Gemeinderats haben sich hierzu bereits bei der Veranstaltung am letzten Samstag entsprechend geäußert. Denn eine so große Ansiedlung von Porsche hätte ungleich größere Folgen für Altenburg und Kirchentellinsfurt.

 

Batteriefabrik im Mahden: weiterhin viele Unklarheiten zur geplanten Batteriefabrik – große Resonanz in der Bevölkerung

Vorstellung und Start des Offenen Briefes an die Gemeinderäte von Reutlingen und Kirchentellinsfurt -   Bürgerbegehren in Kirchentellinsfurt vorerst zurückgestellt

Parents für Future Tübingen und Reutlingen, das Bürger Projekt Zukunft Tübingen, die Allianz Flächenschutz, das Umweltzentrum Tübingen e.V. und Attac Reutlingen Tübingen haben am Samstag ihren offenen Brief und das geplante Bürgerbegehren im Industriegebiet Mahden vorgestellt. Mehr als 50 Interessierte, darunter Herr Bürgermeister Haug, Vertreter der Kirchentellinsfurter Gemeinderates und des Bezirksrats Altenburg informierten sich und diskutierten im Anschluss darüber.

Tanja Leinweber von Parents for Future Tübingen berichtet, dass aus der Zeitung zu erfahren war, dass die Cellforce Group, ein Jointventure von Porsche und Customcells, auf den seit Langem freien Flächen im Mahden I seine Batteriefabrik errichten möchte. Der Reutlinger Oberbürgermeister Keck habe sich im Schwäbischen Tagblatt sogar für einen Coup feiern lassen. Herr Wilke von der Wirtschaftsförderung der Stadt Reutlingen betonte zwar im Tagblatt, dass Mahden II bei der aktuellen Ansiedlung außen vor sei. „Aber wie sieht es mit späteren Erweiterungen aus?“, fragte sich Leinweber. Und Herr Bürgermeister Haug hat am Samstag in der Zeitung erklärt: „Mahden II gibt es nicht“. „Auf der Homepage von Customcells steht hingegen, dass Herr Haug sich durch die Ansiedlung von Cellforce darin bestärkt sieht, die interkommunale Zusammenarbeit auszubauen. „Was anderes als die Erweiterung des Industriegebiets Mahden könnte damit gemeint sein?“ fragte Leinweber.

Porsche will bis 2030 klimaneutral sein. Dies führte Leinweber direkt zur Feststellung, dass Porsche hierfür Batterien benötigt. Diese will Porsche laut dem Vorstandsvorsitzendem von Porsche, Herrn Blume auf Tagesschau.de zusammen mit Customcells in Deutschland selbst herstellen. Dies rät auch der Automobil-Experten Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management, denn die Batteriezelle macht den größten Wertschöpfungsteil des Autos aus. Diese alles führte Leinweber zu der Frage: „Welche Dimension hat eine Batteriefabrik für Porsche und wo soll diese entstehen, wenn nicht hier im Mahden?“

Hierzu hat sie folgendes feststellt: Porsche konzentriert sich grundsätzlich auf nur wenige Standorte (Zuffenhausen, Weissach, Bietigheim, Leipzig). Eine Batteriefabrik für nur 1.000 Batterien jährlich auf nur 2,8 ha Fläche – wie im Mahden geplant - entspricht ihrer Ansicht nach nicht der bisherigen Firmenlogik von Porsche. Denn Porsche produzierte 2021 mehr als 300.000 Fahrzeuge. Und in Weissach hat Porsche bereits in einer umfassenden Scheibchentaktik inzwischen ein sehr großes Areal von mehr als 30 ha eingenommen – mit allen Problemen für Natur, Umwelt, sehr hoher Verkehrsbelastung und Zufahrt durch enge 30er Zone.

„Schaut man sich die geplante Gigafactory der VW AG in Salzgitter an, so scheint eine Fläche von ca. 30 ha für eine Batteriefabrik für die gesamte Porscheproduktion erforderlich“, so Leinweber. „Mit den im Jahr 2018 ursprünglich geplanten Erweiterungen des Industriegebietes Mahden wäre dies im Mahden möglich – und aufgrund der Vorerfahrungen in Weissach – nicht unwahrscheinlich.“

Eine Flächenerweiterung würde dem Flächensparziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und des Koalitionsvertrages der Bundesregierung zuwiderlaufen. Dort ist eine maximale Flächenversiegelung von 30 ha pro Tag in ganz Deutschland angestrebt. „Für Kirchentellinsfurt wären das 5 ha in 15 Jahren. Diese sind bereits im geplanten Flächennutzungsplan durch die geplante Wohnflächenerweiterung mit 15,6 ha mehr als ausgeschöpft“, so Leinweber. Auch dem Koalitionsvertrages auf Landesebene mit dem Ziel „Netto-Null“-Flächenverbrauch würde Mahden II zuwiderlaufen. Zudem würde wertvolle Natur und Landschaft zerstört, Boden als unserem wichtigsten CO2-Speicher vernichtet und zusätzliche Verkehrsprobleme verursacht. „Denn insbesondere in Richtung Tübingen zum Hauptsitz des Forschungsunternehmens Customcells, ist entgegen vieler anderer Äußerungen nicht gesichert bzw. geht über die ohnehin belasteten Straßen Südring und Wannweiler Straße von Kirchentellinsfurt oder durch Altenburg. Eine Anbindung über die B 464 und B 27 Richtung Tübingen ist nicht gegeben und auch aus topographischen Gründen straßentechnisch nicht realistisch,“ so Leinweber weiter.

Zudem würde die Ansiedlung von Porsche – zumindest für den nun geplanten Teil nicht zu den erhofften hohen Gewerbesteuereinnahmen führen, da große Firmen wie Porsche ihre Steuern vor allem am Hauptsitz des Mutterkonzerns, hier VW AG in Wolfsburg, zahlen. Dies lehren die Erfahrungen aus Weissach, wie eine grüne Gemeinderätin in der Stuttgarter Zeitung sagte. Darüber hinaus werden in der Entwicklungsproduktion noch kaum Gewinne erzielt. Diese würden erst erzielt bei einer Massenproduktion. Die sei aber erst mit Mahden II hier vor Ort möglich.

Es handelt sich bei dem Vorhaben nicht nur um ein einfaches Bauvorhaben“, so Leinweber. Stattdessen sind aufgrund der von einer Batteriefabrik ausgehenden Gefahren für die Umwelt und zu befürchtende Emissionen voraussichtlich viele Genehmigungen erforderlich: eine Umweltverträglichkeitsprüfung und mindestens eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung, vielleicht sogar eine Genehmigung nach Störfall-Verordnung nach Seveso II-Richtlinie, wie im Falle von Tesla in Grünheide. „Großes Problem bei Batteriefabriken ist anscheinend die Brandgefahr“, so Leinweber weiter. Inwieweit zusätzliche Ver- und Entsorgungsleitungen für den sehr hohen Strombedarf einer Batteriefabrik, sowie für Wasserver- und Entsorgung incl. ggf. erforderlichem Kühlwasser notwendig werden, ist derzeit nicht absehbar und bei Tesla ebenfalls ein großes Problem. Dort wird sogar die Trinkwasserversorgung für Berlin durch die Ansiedlung von Tesla in Frage gestellt. „Es sind also noch viele Fragen offen und an vieles wurde bisher in der Euphorie noch nicht gedacht“, zieht Leinweber das Fazit.

„Wir wollen keine Industrielandschaft, sie wollen unsere schöne Landschaft erhalten!“, fordert Leinweber im Namen aller Initiatoren der Veranstaltung. Deshalb fordern sie in ihrem offenen Brief an die Mitglieder der Gemeinderäte von Reutlingen und Kirchentellinsfurt, dass diese sofort eine öffentliche Infoveranstaltung zur geplanten Batteriefabrik im Mahden in beiden Kommunen gemeinsam mit Vertretern von Porsche noch vor Zustimmung der Gemeinderäte zur Baugenehmigung und zu sonst erforderlichen Genehmigungen wie denen nach Immissionsschutzrecht durchführen. Bei dieser soll das Projekt im Detail vorgestellt werden und offene Fragen beantwortet und diskutiert werden. Zudem fordern sie einen umfassenden und auch aktiven Beteiligungs- und Informationsprozess seitens der Gemeinde und Porsche.

Zudem fordern sie in ihrem offenen Brief die Gemeinderäte von Reutlingen und Kirchentellinsfurt auf, die Ablehnung einer Erweiterung des Industriegebietes Mahden für die nächsten 15 Jahre, das ist der Planungshorizont des Flächennutzungsplans, zu beschließen. „Dies entspricht anscheinend auch den neuesten Verlautbarungen, so dass dies ja nun kein Problem darstellen dürfte, auch wenn wir bisher nur von den Grünen und Linken entsprechende aktuelle Positionen kennen“, ergänzt Leinweber. Die Entscheidung des Gemeinderats von Kirchentellinsfurt zur Herausnahme von Mahden II aus der im Abschluss befindlichen Neuaufstellung des Flächennutzungsplans ist von Anfang 2019 und noch von dem alten Gemeinderatsmitgliedern. Wie sich die neuen Mitglieder zu dem damaligen Beschluss stellen, war den Initiatoren außer von der Grün-Alternativen-Liste aktuell nicht bekannt. Sie rufen daher alle dazu auf, den offenen Brief an die Gemeinderäte zu unterzeichnen. Dieser ist auf der Homepage von Parents for Future Tübingen erhältlich. Zudem gibt es dort auch den Link zu einer Onlinepetition mit demselben Inhalt.

Verena Ludewig von Parents for Future Reutlingen machte deutlich, dass Parents for Future Reutlingen für Klimagerechtigkeit eintritt. „Die Ansiedlung von Porsche empfinden wir nicht gerecht und eine etwaige Erweiterung auf Mahden II sehen wir als fatal und unverantwortlich an“, so Ludewig. Schließlich wurde auch unsere Region im Jahr 2021 von den Folgen der Klimakrise mit dem Hagelunwetter im Juni getroffen und Flächeninanspruchnahme und Wirtschaftswachstum verstärkt die Klimakrise. Für die Parents for Future gibt es eine klare Priorität für eine lebenswerte Zukunft für die nachfolgenden Generationen und kein unbegrenztes Wachstum. Daher unterstützen die die Parents aus Reutlingen den offenen Brief an die Gemeinderäte.

Johann Kuttner von der Allianz Flächenschutz machte deutlich: „Boden ist nicht einfach da. Er ist im Laufe von Abertausenden von Jahren entstanden. Er bildet, verteilt auf die gesamte Erdoberfläche nur eine 15 Zentimeter dünne Schicht, die die Grundlage unseres Lebens darstellt.“ Der Boden im Mahden gehöre dabei zu den 11% der besten Böden in Deutschland und solle weiterhin landwirtschaftlich genutzt und als Lebens- und Erholungsraum für Tiere, Menschen und Pflanzen erhalten bleiben.  Bei zukünftiger Versiegelung freier Flächen für Wohn- und Fabrik-gebäude, Lagerhallen, Einkaufsmärkte, Straßen und Parkplätze fordert er die „Netto-Null“ beim Flächenverbrauch ein: Wenn Flächen versiegelt werden, sollen dazu vor Ort in adäquatem Umfang Flächen entsiegelt und renaturiert werden. Er halte es zudem für eine falsche Bodenpolitik, wenn die Kommunen ihr „Tafelsilber“ verkaufen um die Gemeindekassen zu sanieren. Die konjunkturanfällige und beliebiges wirtschaftliches Wachstum antreibende Gewerbesteuer gehöre durch eine kommunale Wertschöpfungssteuer ersetzt.

Jürgen Jebram sprach als Kirchentellinsfurter Bürger und stellte das geplante Bürgerbegehren vor. Für ihn haben die Zuständigen die Bedeutung der Ansiedlung von Porsche unterschätzt und dabei den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern versäumt. „Porsche ist nicht irgendein Unternehmen, Porsche ist eine Kult-Firma, von der die Bürgerschaft vor Ort schnell mal überrollt wird.“, so Jebram. Die besondere Anziehungskraft von Porsche kann zu deutlich höheren Immobilienpreisen in Kirchentellinsfurt führen. „Ich will nicht alleine mit Akademiker, Juristen und Porsche-Mitarbeiter wohnen, hier müssen auch Handwerker, Krankenschwestern und Verkäufer bezahlbaren Wohnraum finden können.“ So können die Auswirkungen einer Porscheansiedlung für Kirchentellinsfurt vergleichbar mit dem Ausbau der B 27 in den 80er und 90er Jahren sein. „Wir schätzen die Bereitschaft der Gemeinde grundsätzlich die Bürgerschaft bei wichtigen Entscheidungen, z. B. Ausbau der Kindertagesstätten oder Einrichtung von Jugendtreffs, zu beteiligen. Nur bei dieser wirklich wichtigen Entscheidung fehlt eine Beteiligung.“ Zudem können von der Batteriefabrik besondere Gefahren ausgehen, da hier leicht brennbares Lithium verarbeitet wird. „Die Bürgerschaft benötigt Informationen zu den potentiellen Gefahren einer Batteriefabrik, schließlich ist eine Batteriefabrik keine Bettenfabrik.“ Aus Sicht von Jebram ist es daher wichtig, dass die Kirchentellinsfurter Bürgerschaft zur Porsche-Ansiedlung und möglicher Erweiterungsflächen gefragt wird. „Unsere Antwort ist klar: wir sagen nein zu Flächen über Mahden hinaus. Kein Mahden II!“, so Jebram. Die Bürgerschaft soll entscheiden, ob Kirchentellinsfurt zukünftig Erweiterungsfläche bereitstellt. Dadurch entstünde Klarheit, in welchem Umfeld hier Porsche investiert. In einem Bürgerbegehren soll die Frage beantwortet werden: Soll in den zuständigen Gremien eine Erweiterung des bestehenden interkommunalen Industriegebietes Mahden auf Kirchentellinsfurter Gemarkung beschlossen und im Flächennutzungsplan die dazu notwendigen Änderungen vorgenommen werden? In einer ersten Stufe müssten in den nächsten Wochen Unterstützungsunterschriften von 7% der Wahlberechtigten (d.h. ca. 400 Personen ab 16 Jahren) mit Wohnsitz in Kirchentellinsfurt gesammelt werden.

Die zwei anwesenden Kirchentellinsfurter Gemeinderäte Andreas Heusel, FWV, und Ruth Setzler, GAL, teilten in der Diskussion im Anschluss mit, dass der Gemeinderat weiterhin zu seinem Beschluss gegen Mahden II aus dem Jahr 2019 stehe. Die Bezirksräte aus Altenburg sprachen sich auch gegen Mahden II aus. Zu den vielen offenen Fragen zu den Umweltgefahren der in Mahden I geplanten Batteriefabrik nach Immissionsschutzrecht und Störfallverordnung gab es hingegen keine Antworten. Die kann nach Einschätzung von Bürgermeister Haug nur Porsche selbst beantworten. Herr Bürgermeister Haug war zudem davon überzeugt, dass es von Porsche keine Erweiterung in Mahden II geben wird. Offen blieb jedoch, an welchem Standort Porsche ansonsten die von Vorstandschef Blume vorgesehene Batterieproduktion für die gesamte Porscheflotte von mehr als 300.000 Fahrzeugen in Deutschland erfolgen soll. Angesichts der Stellungnahme der Kirchentellinsfurter Gemeinderäte stellen die Initiatoren das geplante Bürgerbegehen bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am 27.1.2022 zurück, um dem Kirchentellinsfurter Gemeinderat in inzwischen teilweiser neuer Besetzung die Möglichkeit zu geben, seinen Beschluss gegen Mahden II von 2019 zu erneuern und damit dem Ziel des Bürgerbegehrens zu entsprechen. Für den offenen Brief an die Gemeinderäte werben die Initiatoren nun um Unterstützungsunterschriften bis Mitte Februar, denn der Stadtrat von Reutlingen hat sich noch gar nicht zu unserem Anliegen positioniert. Zudem ist eine Infoveranstaltung zwar angekündigt, aber offen, wann es diese geben soll.

Der offene Brief und die Unterstützungslisten sind hier ebenso wie der Link zur Online-Petition unter  https://weact.campact.de/petitions/kein-mahden-ii-offener-brief-an-die-gemeinderate-von-reutlingen-und-kirchentellinsfurt 

 

Kein Mahden II: Offener Brief an die Gemeinderäte

Hier ist der offene Brief zum Download und selbst Ausdrucken:

Plakat Luftbilder