Interview Jörn Greszki Klimaliste

Jens Mühlhoff • 20 Februar 2021
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Landtagskandidat Jörn Greszki Klimaliste

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  • Kennen Sie das aus dem Pariser Abkommen abgeleitete THG-Budget von Deutschland und Baden-Württemberg? Wie stehen Sie dazu?

Es gibt diverse Klimamodelle für die Herleitung der Restbudgets – alle leiden daran, dass ihre Vorhersagekraft in Bezug zu den Auswirkungen des Erreichens von „Kippunkten“ recht vage ist.

Deswegen sind wir von der Klimaliste mit wesentlich ambitionierteren Zielen als die der Bundesregierung unterwegs – zumal es in der Natur / Physik so etwas die Kompromisse oder Verhandeln schlicht nicht gibt. Dies ist ein permanenter Trugschluss des etablierten Politikbetriebs. Man kann lediglich mit den falschen Argumenten zu spät oder falsch agieren.

Klimagerechtigkeit: Wir gehen stark davon aus, dass die Restbudgets in den aktuellen Modellen nur unzureichend berücksichtigen, dass gerade die alten Industrienationen in der nördlichen Hemisphäre historisch am meisten CO2 in die Atmosphäre eingetragen haben. „Gerecht“ wäre dann wenn diese sofort sämtliche CO2 Emissionen einstellen müssten während die weniger entwickelten noch „ein paar Tonnen“ frei haben.

  • Wird ein konkrete, effektiver Reduktionspfad für Treibhausgase vorgelegt?
    (z.B. wäre das mittels Reduktionsziel für 2030 im Vergleich zu 1990 zu messen)

Wir stützen uns als „spin-off“ der FFF in deren Tradition auf Expertenwissen aus der Wissenschaft.

Dort gibt es besagte diverse Klimamodelle, die aber alle eines gemeinsam haben: Nach 1,5 Grad Erwärmung gegenüber dem Vorindustriellen Zeitalter ist kaum noch vorherzusehen wohin sich das Klima entwickelt, sicher ist nur: Die Auswirkungen für Flora und Fauna werden verheerend sein und die Anpassungsgeschwindigkeit überfordern.

Daher ist unsere Zieldefinition: Für alles eintreten, was mindestens eine Begrenzung auf 1,5 dient. 2 Grad Ziel ist schon lange kein Diskussionsthema mehr.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: Alle Technologien, die den CO2-Ausstoß reduzieren sind zu befürworten. Deren eventuellen Nachteile sind nachrangig und/oder können reduziert werden.

  • Setzen Sie sich für eine CO2-Steuer oder Zertifikatehandel ein?

Als einen Start definitiv. Dies ist das beste Mittel um im Kapitalismus dessen Mechanismen zum Zweck des Klimaschutzes zu nutzen. Es hilft aber nicht final das Dilemma des Zwangs zum ewigen Wachstum zu neutralisieren. Dafür sind Systemänderungen notwendig.

Weiterhin müssen sämtliche Eingriffe / Rohstoffentnahmen DRASTISCH mit Kosten belegt werden, um das Wirtschaften in Kreisläufen zu erzwingen.

 

Mobilität: Wie soll die Verkehrswende gelingen?

  • Wie soll ihrer Meinung nach der ÖPNV für die Bevölkerung vergünstigt und insgesamt attraktiver gemacht werden?
  1. ÖPNV Infrastruktur überhaupt bauen – mit Verewigung im Gemeingut. Das Schienennetz gehört verstaatlicht und ggf. privat bewirtschaftet.
  2. Strukturen müssen in jedem Bereich so geschaffen werden, dass Mobilität unnötig wird.
  3. ÖPNV muss nicht nur günstiger werden, PV muss direkt mindestens die tatsächlichen Kosten beinhalten, ohne diese auf die Allgemeinheit umzulegen (Pendlerpauschale/steuerliche Absetzbarkeit des Firmenwagens)
  • Welche Maßnahmen zur Reduktion von Mobilität befürworten Sie?
     (Reduktion der Parkplätze, Rückbau von Autobahnen, deutliche Verteuerung von Flügen)

Rio Reiser: Das alles-und noch viel mehr…..

Aber erst die Alternativen schaffen. Wobei klar ist dass Mobilität insgesamt weniger werden muss.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: Beispiele zur Reduzierung der Mobilität sind: Wohnung and Arbeitsplatz möglichst nahe beieinander liegen, Möglichkeit des „HomeOffice“ fördern. Kein Neubau von Straßen.

 

Stadplanung und Bauwesen inkl. Wärme

  • Welche Pläne unterstützen Sie, den Gebäudebereich klimaneutral zu gestalten?

Viele der etablierten Verordnungen sind im Rückblick als Desaster zu bewerten.

Wir setzen auf regelmäßiges Monitoring sämtlicher Maßnahmen außerhalb der politischen Prozesse, welche dann nur noch die globalen Ziele setzen dürfen – nicht aber kleinteilig welche Technologie dafür dienlich ist. Das Bekenntnis zur Wasserstofftechnologie samt Förderung ist wieder so eine typische Festlegung, welche letztendlich zu Verzerrungen und Fehlanreizen führt.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: Aktuelle Sanierung mit Styropor wird oft unsachgemäß durchgeführt, was zur Zerstörung der Gebäude führt. Auch ist die sachgemäße Entsorgung sehr schwer. Es müssen simple Baukörper für Gebäude erstellt werden, die leicht gedämmt, entsorgt und recycelt werden können. Gebäude müssen wieder langlebiger gebaut werden.

Um den Flächenverbrauch zu reduzieren muss in die Tiefe und Höhe gebaut werden – nicht in die Breite.

  • Planen Sie eine verpflichtende klimaneutrale Wärmeversorgung der Kommunen?

Absolut. Mit Ankündigung und kurzer Umstellungszeit. So etwas gibt es schon, also wäre eine Verpflichtung hierzu kein Versuch Unmögliches zu etablieren. Problem ist aber die Versorgung von Privateigentum.

  • Wird in zukünftigen (auch privaten) Bauvorhaben der Erhalt und die Förderung der Biodiversität berücksichtigt?

Erhalt und Förderung von Biodiversität ist völlig unabhängig vom Bausektor eines der Kernanliegen der Klimaliste. Dies kann nur dadurch nachhaltig gewährleistet werden in dem ausreichend große Habitate VÖLLIG UNBERÜHRTER Natur ausgewiesen werden. Wir als Klimaliste sehen dies als eine der schwierigsten Überzeugungsaufgaben den Mitbürgern klarzumachen das es mehr Gebiete geben muss in denen man bestenfalls noch Spaziergänge auf festgelegten Wegen machen kann.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: Eine Wiese, die nicht „gebraucht“ wird sollte auch nicht gemäht werden.

 

Energieversorgung: Wie soll die Energiewende gestaltet werden?

  • Wie stehen Sie zum Ausbau der Windenergie im Landkreis Konstanz?

Gemessen am technischen Potential völlig unzureichend – obwohl auch vom nationalen Windatlas nicht die beste Windregion.

  • Wie sollen Ausbauziele von PV und Windrädern zukünftig festgelegt werden?

Streng nach technischem Potential und Auswirkungen auf die Umwelt. Auch eine PV-Anlage, ein Wasserkraftwerk, ein Windpark, alles hat negative Auswirkungen auf die Natur. Diese „Kosten“ müssen mitgerechnet und ökologisch abgewogen werden.

Abfall, Konsumverhalten und Ernährung

  • Welche Maßnahmen unterstützen Sie, den bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und Gütern zu fördern? (Bildung zum Umgang mit MHD, Förderung der Tafeln und des Recyclings.)

Mehrschichtige Herangehensweise:

  • Erzwingen von Kreisläufen durch Bepreisung/Verbot der Entnahme außerhalb von Kreisläufen.
  • Tafeln sind nur der Ausdruck eines Staatsversagens, ich will gar keine Tafeln mehr
  • Verbot von Zerstören/Wegwerfen/Vernichten zum Zwecke der Preisgestaltung/Nachfrageregulierung
  • Welche Maßnahmen unterstützen Sie, die Bevölkerung zu einem bewussteren Umgang mit Milch und Fleisch zu bewegen? (Förderung der vegetarischen/veganen Ernährung). Welche Ideen haben Sie dazu? (Bewußtseinsbildung)

Allgemein starke Fokussierung auf Kindergarten und Schule um Ethik, Verhaltensweisen und Ökologie zu verankern. Beinhaltet auch – egal wie teuer – eine durchgehend ökologische Ernährung bei Einhaltung höchster Tierschutzstandards etablieren. Das Geld dafür ist da. Die Privathaushalte werden mit Zeitverzug automatisch mitziehen.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: MASSLOSER Verbrauch von Fleisch & Tierprodukten muss eingeschränkt werden. Vegetarische & vegane Ernährung nicht dogmatisch sehen. Massentierhaltung widerspricht dem Tierschutzgesetz. Gesetzestreue würde da schon helfen.

 

Land- und Forstwirtschaft

  • Wie soll eine Land- und Forstwirtschaft gefördert werden, die ökologisch positive Wirkungen zeigt?
  1. Analyse, wieviel Forstwirtschaft welche Art mit gleichzeitigem ausreichendem Artenschutz machbar ist – inklusive jährlicher Holzentnahme.
  2. Umgestalten der gesamten Industrien um nur noch mit dem nationalen Holzausstoss wirtschaften zu können -> keine billigen Wegwerfmöbel mehr/kein billiges Schalholz/keine Wegwerfholzpaletten

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: Kein Fortsetzen der ewigen Subventionen für die Landwirtschaft. Zur Ernährung der Bewohner Deutschlands reicht eine extensive Landwirtschaft.

In Deutschland wird mehr Holz als Baustoff verbraucht, als in Deutschland nachwachsen kann, woraus eine Unterversorgung von Holz als Baustoff & Papier resultiert. Es muß global eine extensive Holzwirtschaft etabliert werden. Der Holzverbrauch muss verteuert werden und der Verbrauch gesenkt. Kahlschläge müssen vermieden werden, stattdessen Holzernte von einzelnen Bäumen.

  • Halten Sie die Eindämmung des Flächenverbrauchs für wichtig? Wenn ja, wie wollen Sie das erreichen?

Dies ist der Schlüssel zu vielen notwendigen Erfolgen. Wir müssen sogar Flächen an die Natur zurückgeben. Rein technisch ist dies sogar bei der aktuellen Bevölkerungszahl möglich, setzt nur eine völlig andere Art des Bauens und der Nutzung bereits bebauter Flächen voraus.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: siehe oben. Regulierung des Bauens sollte zentralistischer erfolgen. Derzeit sind viele Einzelfallentscheidungen durch die verschiedenen Gemeinden möglich.

 

Wirtschaft

  • Bis wann und auf welchem Wege sollen Unternehmen in BW klimaneutral werden? Welche Vorschläge haben Sie dazu, dies zu realisieren?

Die Klimaliste BW ist DIE Wirtschaftspartei für langfristigen Wohlstand für ALLE statt für Wenige.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: Durch Erstellung und Anwendung von strikten Regeln im öffentlichen Sektor kann viel erreicht werden. Die Wirtschaft wird dadurch innovative Wege finden die Regeln zu erfüllen. Beispiele sind die strikten Abgasregeln von Kalifornien, die dazu geführt haben, dass Autos produziert werden, die diese erfüllen können. Diese Autos werden auch außerhalb Kaliforniens verkauft. Weiteres Beispiel: eine EURO 7 Norm, die faktisch nur noch E-Autos erlaubt.

  • Welche Pläne haben Sie, Nachhaltigkeitskriterien bei Investitionen und Beschaffungsvorhaben der öffentlichen Hand anzuwenden? (z.B. Emissionsfreiheit, Kreislauffähigkeit).

Klimapositive Maßnahmen und Standards für die öffentlichen Hand zu regeln ist als Regierung einfach. Es gibt in Deutschland, EU und auf der Welt unzählige Beispiele wie so etwas vorbildlich und funktionierend gelöst wurde.

Generell wird die Klimaliste sich dafür einsetzen alle positiven Maßnahmen zuallererst im öffentlichen Sektor umzusetzen soweit anwendbar.

Anmerkung aus dem Gesprächsprotokoll: Im Verfahrens- & Ausschreibungsrecht sollte CO2-Neutralität verpflichtend werden.

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