Interview FDP Markus Bumiller

Jens Mühlhoff • 20 Februar 2021
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Landtagskandidat Markus Bumiller FDP

Übergeordnet

  • Kennen Sie das aus dem Pariser Abkommen abgeleitete THG-Budget von Deutschland und Baden-Württemberg? Wie stehen Sie dazu?
    B. berichtet von entsprechender, durchaus schwieriger Recherche mit Ergebnis: 420 Mio.Tonnen für BW. Ergänzung von M. Hüttenhofer: Bei gegenwärtigem Verbrauch von jährlichen 80 Mio.Tonnen ist das Budget in gut 5 Jahren aufgebraucht.
  • Wird ein konkreter, effektiver Reduktionspfad für Treibhausgase vorgelegt?
    (z.B. wäre das mittels Reduktionsziel für 2030 im Vergleich zu 1990 zu messen)
    B. stellt die Gegenfrage: Wie steht im Vergleich dazu Europa bzw. die ganze Welt da?
    Problem könne nicht alleine gelöst werden, er plädiere für eine parteiübergreifende Zusammenarbeit. Dabei sei eine technologieoffenes Denken wichtig: Dies sei zu prüfen und daraus ergebe sich dann ein Reduktionspfad. Die Forschung sei hier schon sehr weit. Der Bürger darf hier aber keinesfalls übergangen werden. Es müsse also einen sinnvollen Mix geben aus neuer Technologie, guter Subventionierung und einem erleichtertem Übergang zu  neuen Gewohnheiten.
  • Setzen Sie sich für eine CO2-Steuer oder Zertifikatehandel ein?
     B. befürwortet den Zertifikatehandel. Ansonsten sei er für eine konsequente Weiterentwicklung an den synthetischen Kraftstoffen sowie den Einsatz von Wasserstoff bzw. Brennstoff-zellen. Die Konzentration auf die Elektromobilität sei ein Fehler, das E- Auto in Anschaffung und Unterhalt zu teuer, das Ladenetz nicht ausreichend.

 

Mobilität: Wie soll die Verkehrswende gelingen?

  • Wie soll ihrer Meinung nach der ÖPNV für die Bevölkerung vergünstigt und insgesamt attraktiver gemacht werden?    
    Die Busse und auch der Seehas müssten in deutlich höhere Taktung fahren, des ÖPNV- Netz müsse ausgebaut und deutlich verbessert werden. Auch die kleinen Orte dürften nicht vernachlässigt werden. Er spricht sich für das 365,00€ - Ticket aus. Er sei für eine Tourismusabgabe zur Finanzierung. Er würde sich für Busse mit E-Motor, Wasserstoff oder Hybrid-Antriebe stark machen. Die Bahnstrecken müssten ausgebaut bzw. wiederbelebt werden, um z.B. auch den Einkaufstourismus freundlicher zu gestalten.
  • Welche Maßnahmen zur Reduktion von Mobilität befürworten Sie?
     (Reduktion der Parkplätze, Rückbau von Autobahnen, deutliche Verteuerung von Flügen)
    Autofreie Innenstädte oder auch nur Parkplatzreduktionen sieht B. nicht als Lösung an, hierbei würden sich die Autoströme lediglich nach außen verlagern. Ein Rückgang des Autoverkehrs dürfe nur über Anreize, nicht über Druck bzw. Verbote geregelt werden. Grundsätzlich müsse man beim Parkraum aber vom Zuwachs des Autoverkehrs ausgehen.
    Der Umstieg auf die Bahn sei im Moment noch unattraktiv, auf weiten Strecken seien weder Internet noch Telefon zu nutzen; der Zeitverlust im Vergleich zum Auto viel zu hoch.
    Grundsätzlich kümmere sich aber gerade die FDP um den Ausbau des Schienenverkehrs
    .
    Eine Verbot z.B. von Inlandsflügen wäre keine Lösung, aber eine Reduktion der Anzahl wäre denkbar.

 

Stadplanung und Bauwesen inkl. Wärme

  • In welcher Form ist eine umfangreiche energetische Sanierung für Gebäude geplant? Welche Pläne unterstützen Sie, den Gebäudebereich klimaneutral zu gestalten?
    Auch hier: Freiwilligkeit sei das oberste Gebot, B.ist klar gegen eine Verpflichtung für Solar-/ PV-Anlagen auf privaten Gebäuden, auf öffentlichen sei diese sinnvoll.
  • Planen Sie eine verpflichtende klimaneutrale Wärmeversorgung der Kommunen?
    Nochmal: Er halte nichts von Verpflichtungen; das Konzept der Energiedörfer könne aber als Vorbild dienen.
  • Wird in zukünftigen (auch privaten) Bauvorhaben der Erhalt und die Förderung der Biodiversität berücksichtigt?
    Hier ist B. für ein klares Verbot der Schotter- bzw. Steingärten, er sei für eine Verpflichtung zu grünen Gärten, auch z.B: mit entsprechender Baumbepflanzung.

     

 

Energieversorgung: Wie soll die Energiewende gestaltet werden?

  • Wie stehen Sie zum Ausbau der Windenergie im Landkreis Konstanz?
    B. ist ein klarer Gegner der Windräder im Hegau. In dieser touristisch genutzten Gegend störten sie massiv das Landschaftsbild, verbrauchten zu viel Fläche und könnten auch gar nicht effektiv betrieben werden . Vor Ort setze er sich für Solarenergie ein, die Windräder gehörten in den Norden (Offshore-Parks). Windkraft sei hier nicht rentabel, funktioniere nur über Förderung.
  • Wie sollen Ausbauziele von PV und Windrädern zukünftig festgelegt werden?
    Entsprechende Vorhaben dürften nicht zu Lasten der Bürger gehen. Bzgl. Der Windräder ist er für eine Verschärfung der gegenwärtigen 1000m-Abstand-zur-nächsten –Wohnbebauung-Regelung.

 

Abfall, Konsumverhalten und Ernährung

  • Welche Maßnahmen unterstützen Sie, den bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und Gütern zu fördern? (Bildung zum Umgang mit MHD, Förderung der Tafeln und des Recyclings.)
    B. sieht er großes Problem in der falschen Bepreisung der Lebensmittel: So könnten die heimischen Landwirte nicht existieren. Er sei gegen Dumping-Preise und für regionale Erzeugnisse. Die Überproduktion müsse gestoppt, die intensive Landwirtschaft durch extensive Konzepte ersetzt werden. Der Wegwerfmentalität sei entgegen zu treten, Produkte ab/über dem MHD könnten kostenlos in den Supermärkten angeboten werden.
  • Welche Maßnahmen unterstützen Sie, die Bevölkerung zu einem bewussteren Umgang mit Milch und Fleisch zu bewegen? (Förderung der vegetarischen/veganen Ernährung). Welche Ideen haben Sie dazu? (Bewusstseinsbildung)
    Sieht dringende Notwendigkeit, über neue, angepasste Ernährung zu informieren. Dazu müsste es eine entsprechende Bildungsplanänderung an den Schulen geben: Es muss eine Art “Umerziehung” stattfinden zu mehr Wertschätzung der Lebensmittel und zu einem neuen kritischen Bewusstsein im Umgang vor allen mit tierischen Produkten. Der Fleischkonsum muss dringend gesenkt werden, dazu sollte z.B. für jeden Schüler ein Pflichttag auf dem Bauernhof, aber auch in einem Schlachthof stattfinden.

     

 

Land- und Forstwirtschaft

  • Wie soll eine Land- und Forstwirtschaft gefördert werden, die ökologisch positive Wirkungen zeigt? (Wegen Zeitmangel übersprungen)
  • Halten Sie die Eindämmung des Flächenverbrauchs für wichtig? Wenn ja, wie wollen Sie das erreichen?
    Hier sollte ein konsequenter Rückbau /eine Renaturierung durchgeführt werden. Alle Neubauten müssen mehr in die Höhe und Tiefe gehen. Er spricht sich aber auch dafür aus, dass jeder der ein EFH bauen möchte auch eines bauen kann.

 

Wirtschaft

  • Bis wann und auf welchem Wege sollen Unternehmen in BW klimaneutral werden? Welche Vorschläge haben Sie dazu, dies zu realisieren?
     Es sollte aber so schnell wie möglich sein: 2045 hält er für machbar. Allerdings dürfen hierbei keine Arbeitsplätze gefährdet werden. Manche Unternehmen werden das nicht leisten können.
    Hier müssen Synergien genutzt werden, BW kann hier keinesfalls alleine agieren und von hier aus „die Welt retten“. Z.B. könnte man aber klimaschädliche Waren aus China mit Strafzöllen belegen. Eine komplette globale Klimaneutralität könne ohnehin nicht erreicht werden, jedenfalls nicht in den nächsten 50 Jahren.
  • Welche Pläne haben Sie, Nachhaltigkeitskriterien bei Investitionen und Beschaffungsvorhaben der öffentlichen Hand anzuwenden? (z.B. Emissionsfreiheit, Kreislauffähigkeit).